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Konversion des CESIWID-Geländes zur Wohnbaunutzung mit Verbrauchermarkt

Erlangen, Projektbeginn Dezember 2002 - 2008
Auftraggeber: Eckart GmbH & Co. KG, Fürth
Bauherr: Eckart GmbH & Co. KG, Fürth


Nach über 70 Jahren gewerblicher Nutzung war ein 36.000 m² großes und mit 39 Gebäuden und Hallen bebautes Grundstück in Erlangen für die Neubebauung mit Wohnhäusern lastenfrei zurückzubauen. Bereits im Rahmen der Voruntersuchungen, bestehend aus historischer Recherche, orientierender Untersuchung und Erstellung eines Gebäudeschadstoffkatasters, gab es Hinweise auf Schwermetalle einer früheren Pigmentfabrik, Gerüchte über die Abfüllung von Kampfstoffen im II. Weltkrieg sowie Funde von mit PAK verunreinigten Produktionsabfällen und Hausmüllablagerungen.

Die Dr. Hug Geoconsult GmbH und der öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige Diplom Geologe Thomas Ohlenschläger wurden mit der Erkundung und Bewertung des Areals und anschließend mit der Koordination und fachgutachterlichen Begleitung der Maßnahme beauftragt. Bohrungen und Baggerschürfe sind ausgeführt und vorhandene Brunnen beprobt worden. Zur Konkretisierung der Hinweise auf Kampfmittel sind geophysikalische Untersuchungen ausgeführt und nach entsprechender Tankortung Spezialanalysen auf Nebelsäuren durchgeführt worden.


Nach Abbruch der Gebäude sind an mehreren Stellen Erdtanks mit hochaktiven Nebelsäuren (Titan- und Siliziumtetrachlorid) freigelegt und von den Spezialisten der Sonderabfallentsorgung Bayern unter schwierigsten Bedingungen (korrodierte Tanks, massive Nebelbildung, Arbeiten unter Vollschutz) geborgen worden. Vorangegangen waren monatelange Recherchen und Abstimmungen mit den Fachbehörden und Spezialfirmen, da es keine Erfahrungen mit der Bergung vergleichbarer Kampfmittel gab. Notfallpläne wurden aufgestellt und mit Polizei und Feuerwehr abgestimmt, die Bevölkerung über Flugblätter und Presse informiert sowie ein Überwachungsprogramm ausgeführt. Die abgepumpten Nebelsäuren wurden mit Tankwagen zur Sondermüllverbrennungsanlage der gsb gebracht und dort verbrannt.

Mehrere tausend Tonnen an Produktionsabfällen aus der Hochtemperaturkeramik sind mit Baggern separiert und anschließend auf Deponien entsorgt worden. Hausmüllablagerungen und Erdaufschüttungen, die für die Neubebauung als Baugrund nicht geeignet waren, wurden separiert und entsorgt. Mehrfach musste der Kampfmittelräumdienst Munition entschärfen bzw. bergen. Zehn Brauchwasserbrunnen wurden überbohrt und zurückgebaut.


Die von den Behörden geforderten Abschlussuntersuchungen bestätigten den Sanierungserfolg. Das Gelände wurde ohne Auflagen von den Umweltbehörden zur Wohnbebauung freigegeben. Zur Vorbereitung auf die Neubebauung sind die Sanierungsgruben mit unbelasteten Böden lagenweise aufgefüllt und verdichtet worden.


Unser Büro führte anschließend die Baugrunduntersuchungen für die Neubebauung durch, wobei Synergieeffekte durch Rückgriff auf die Bohrergebnisse der Altlastenuntersuchung genutzt werden konnten. Mit der Neubebauung ist die Konversion erfolgreich abgeschlossen.

Besondere Fragestellungen


  • Erkundung und Bergung von Nebelsäuren aus Weltkrieg II (Rüstungsaltlasten)
  • Einhaltung besonderer Arbeitsschutzvorkehrungen
  • Besondere Maßnahmen zum Schutz der anliegenden Wohn- und Gewerbegebiete

externe Projektbeteiligte

Orpheus Geophysik GmbH, 65830 Kriftel, http://www.orpheus-geophysik.de/
PEGASUS Beratung & Dienstleistungs OHG für Militär-, Rüstungs- und Umweltaltlasten, 14947 Nuthe-Urstromtal, http://www.pegasus-ohg.de/
gsb Sonderabfall-Entsorgung Bayern GmbH, 85107 Baar-Ebenhausen, http://www.gsb-mbh.de/